7.Mai,2011.
Mütter, Väter, Familienangehörige und Freunde der Opfer des Krieges in Mexiko:
Compañeras und Compañeros zapatistische Unterstützungsbasen der verschiedenen Zonen, Regionen, Dörfern und autonomen rebellischen zapatistischenGemeinden:
Compañeras und Compañeros der Anderen Kampagne und Anhänger der Sechsten ErklärungausdemLakandonischenUrwaldinMexikoundaufderganzenWelt:
CompañerasundCompañerosderZeztaInternational:
BrüderundSchwesternderverschiedenensozialenOrganisationen:
Brüder und Schwestern der Nichtregierungsorganisationen und in Verteidigung derMenschenrechten:
BevölkerungvonMexikoundVölkerderWelt:
BrüderundSchwestern:
CompañerasundCompañeros:
Tausende Männer, Frauen, Kinder und Alte der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung sind heute hier versammelt, um unser kleines Wort zu sagen.
Heute sind wir hier, weil Menschen edlen Herzens und standhafter Würde uns aufgerufen haben zu demonstrieren, um den Krieg zu beenden, der den Boden Mexikos mit Trauer, Schmerz und Empörung getränkt hat.
Weil wir uns aufgerufen fühlen, von dem Ruf nach Gerechtigkeit der Mütter und Väter der Jungen und Mädchen, die durch die Kugel und durch den Hochmut und die Dummheit der schlechten Regierung ermordet worden sind.
Weil wir uns aufgerufen fühlen, von der würdigen Wut der Mütter und Väter der Jugendlichen, die von Verbrecherbanden und dem Zynismus der Regierung ermordet worden sind.
Weil wir uns aufgerufen fühlen, von den Familienangehörigen der Toten, Verletzten, Verstümmelten, Verschwundenen, Entführten und Eingekerkerten ohne irgendeine Schuld oder Verbrechen.
Unddiesist,wasunsihreWorteundihrSchweigensagen:
Dass die GeschichteMexikoswiedermitunschuldigemBlutbeflecktwurde.
Dass Zehntausende Personen in diesem absurden Krieg gestorben sind, der nirgendwohinführt.
Dass der Frieden und die Gerechtigkeit in keiner Ecke unseres Landes mehr Platzfinden.
Dass die einzige Schuld dieser Opfer darin besteht, in einem Land geboren worden zu sein oder gelebt zu haben, das von legalen und illegalen Gruppen schlecht regiert wird, die nach Krieg,TodundZerstörungdürsten.
Dass dieser Krieg unschuldige menschliche Wesen aller sozialen Klassen zur militärischen Hauptzielscheibe gemacht hat, die weder mit dem Drogenhandel noch mit den Regierungskräften irgendetwaszutunhaben.
Dass alle schlechten Regierungen, ob Landes-, Staats-, oder Bezirksregierungen, die Strassen in Kriegszonen verwandelt haben, ohne dass diejenigen, die auf ihnen gehen und arbeiten einverstanden wären oder eine Möglichkeithätten, sichzuschützen.
Dass alle schlechten Regierungen, die öffentlichen und privaten Schulen und Universitäten in Kriegszonen verwandelt haben, und die Kinder und die Jugendlichen keine Klassen betreten, sondern die Hinterhalte der einen oder anderenBande.
DassdieOrtefürTreffenundVergnügennunmilitärischeZielesind.
Dass der Weg zur Arbeit mit Furcht angetreten wird, ohne zu wissen was passieren wird, ohne zu wissen, ob eine Kugel, von den Verbrechern oder von der Regierung, das eigene Blut oder das eines Familienangehörigen oder einesFreundesvergießenwird.
Dass die schlechten Regierungen das Problem geschaffen haben, und es nicht nur nicht gelöst, sondern es erst auf ganz Mexiko ausgeweitet und vertieft haben.
DassesvielSchmerzundTrauergibtwegensovielsinnlosemTod.
DassderKriegaufhörensoll.
DasskeinBlutmehrfließensoll.
Dasswirgenughaben.
Dassesjetztreicht.
Die Worte und das Schweigen dieser guten Menschen repräsentieren nicht die schlechten Regierungen.
Sie repräsentieren nicht die Verbrecher, die stehlen, rauben, entführen und morden.
Sie repräsentieren auch nicht diejenigen aus der politischen Klasse, die aus diesem nationalen UnglückGewinnschlagenwollen.
Das Schweigen und die Worte dieser Menschen sind die von einfachen, arbeitsamen und ehrlichen Leuten.
DieseMenschenwollenkeinenpersönlichenGewinn.
Sie wollen nur Gerechtigkeit, und dass der Schmerz, den sie gefühlt haben und fühlen, nicht das Herz anderer Mütter, anderen Väter, anderer Familienangehörigen, anderer Freunde, von kleinen Mädchen und Jungen, Jugendlichen, Erwachsenen und Alten erreicht, die nichts anderes tun als zu versuchen zu leben, zu lernen, zu arbeiten und mit Würde vorwärts zu kommen.
Das heißt, dass die Worte, das Schweigen und die Handlungen dieser guten Menschen etwas sehr einfaches fordern: ein Leben mit Frieden, Gerechtigkeit undWürde.
UndwieantwortetihnendieRegierung?
Die Väter und Mütter einiger sehr kleiner Jungen und Mädchen, die durch die Schuld der schlechten Regierung bei einem Brand starben und verletzt wurden, fordern Gerechtigkeit, das heißt, dass die Schuldigen bestraft werden, auch wenn sie Verwandte oder Freunde der Regierung sind, und dass dieses Verbrechen sich nicht mehr wiederholt, damit keine anderen Väter und Mütter mitsterben,wennihreSöhneundTöchtersterben.
Und die Regierung antwortet ihnen mit Erklärungen und betrügerischen Versprechen, die versuchen, sie zu ermüden, und dass sie vergessen, und ihr Unglückvergessenwird.
Die Familienangehörigen und Freunde einiger Studenten, die in einer privaten Universität ermordet wurden fordern, dass man herausfindet was passiert ist und Gerechtigkeit geschieht, und dass sich das Verbrechen, Studienzentren in Schlachtfelder zu verwandeln, sich nicht mehr wiederholt, damit keine anderen Familienangehörige, Freunde, Lehrer und Kollegen mitsterben, wenn dieStudentensterben.
Und die Regierung antwortet ihnen mit Erklärungen und betrügerischen Versprechen, die versuchen sie zu ermüden, und dass sie vergessen, und ihr Unglückvergessenwird.
Die Bewohner einer ehrlichen und arbeitsamen Gemeinde, geschaffen nach ihrem eigenen Ermessen, haben sich organisiert, um den Frieden, den sie brauchen, zu errichten und zu verteidigen, und das Verbrechen zu bekämpfen, das die Regierung schützt. Aus diesem Grund wurde einer der Bewohner entführt und ermordet. Seine Familienangehörigen und Compañeros fordern Gerechtigkeit, und dass sich das Verbrechen, dass Arbeit und Ehrlichkeit ermordet werden, sich nicht mehr wiederholt, damit keine anderen Familienangehörigen und Compañerosmitsterben,wennjenesterben,diefürdasKollektivkämpfen.
Und die Regierung antwortet ihnen mit Erklärungen und betrügerischen Versprechen, die versuchen sie zu ermüden, und dass sie vergessen, und ihr Unglückvergessenwird.
Einige Jugendlichen, gute Studenten und gute Sportler, versammeln sich, um Spaß zu haben oder spazieren zu gehen oder sich zu unterhalten, als eine Verbrechergruppe den Platz angreift und sie ermordet. Und die Regierung ermordet sie erneut, als sie erklärt, dass diese Jugendlichen Verbrecher gewesen wären, die von anderen Verbrechern angegriffen wurden. Die Mütter und die Väter fordern Gerechtigkeit, und dass sich das Verbrechen, die Jugendlichen nicht zu beschützen und sie ungerecht zu beschuldigen Verbrecher zu sein, nicht mehr wiederholt, damit keine anderen Mütter und Väter mitsterben, wenn das Blut, das geboren wurde um zu leben, zweifach stirbt.
Und die Regierung antwortet ihnen mit Erklärungen und betrügerischen Versprechen, die versuchen sie zu ermüden, und dass sie vergessen, und ihr Unglückvergessenwird.
CompañerasundCompañeros:
BrüderundSchwestern:
Vor ein paar Tagen begann der Schweigemarsch der Schritte eines Vaters, der Dichter ist, einiger Mütter, einiger Väter, einiger Angehörige, einiger Geschwister, einiger Freunde, einiger Bekannten,einigerMenschen.
GesterngabesihrewürdigenWorte,heuteherrschtihrwürdigesSchweigen.
Ihre Worte und ihr Schweigen sagen das gleiche: wir wollen Frieden und Gerechtigkeit,dasheißt,einwürdigesLeben.
Diese ehrbaren Menschen erbitten, fordern, verlangen von der Regierung einen Plan, der als Hauptziele das Leben, die Freiheit, die Gerechtigkeit und den Friedenhat.
Und die Regierung antwortet ihnen, dass sie ihren Plan fortsetzen wird, deralsHauptziel den TodunddieStraflosigkeithat.
Diese Personen streben nicht danach, Regierung zu sein, sondern dass die Regierung das Leben, die Freiheit, die Gerechtigkeit und den Frieden der Regiertenerwirktundbewahrt.
IhrKampfentspringtnicht persönlichemInteresse.
Er entspringt dem Schmerz jemanden zu verlieren, den man mehr liebt als das Leben.
Die Regierungen und ihre Politiker sagen, dass, zu kritisieren, was sie tun oder nicht damit einverstanden zu sein, hieße, die Verbrecher zu bestätigen und zubegünstigen.
Die Regierungen sagen, dass die einzige gute Strategie darin besteht, die Strassen und Felder Mexikos in Blut zu tauchen, und Familien, Gemeinden und dasganzeLandzuzerstören.
Aber, jene, die argumentieren, dass Gesetz und Gewalt auf ihrer Seite zu haben, tun das nur um ihren persönlichen Willen durchzusetzen, indem sie von dieserGewaltund diesen Gesetzen Gebrauchmachen.
Und es ist nicht der eigene Wille des Einzelnen oder einer Gruppe, der sich durchsetzenmuss, sondernderkollektiveWillederganzenGesellschaft.
Und der Wille einer Gesellschaft wird mit Rechtmäßigkeit errichtet, mit Argumenten, Gründen, mitderFähigkeitzurEinberufung,mitVereinbarungen.
Denn wer anderen seinen eigenen Willen aufzwingt, spaltet lediglich und konfrontiert. Und so ist er unfähig, dem kollektiven Willen nachzukommen, und musssichdaherinGesetz und Gewaltflüchten.
Ein Gesetz, das nur dazu dient, Verwandten und Freunden Straflosigkeit zu garantieren.
EineGewaltdieseitlangemkorrumpiertist.
Gesetz und Gewalt, die dazu dienen, einer würdigen Arbeit zu berauben, Unfähigkeiten zu kaschieren, jene zu verleumden, zu verfolgen, zu inhaftieren und zu töten, die diesen Willen, dieses Gesetz und diese Gewalt inFragestellenundsichihnenentgegenstellen.
Sich vor dem Wort der Leute zu fürchten, und jede Kritik, jeden Zweifel, jede Hinterfragung oder Forderung als ein Umsturzversuch zu betrachten, ist DiktatorenundTyrannenzueigen.
In jedem würdigen Schmerz eine Drohung zu sehen, ist jenen zu eigen, die an Machtund Habsucht erkranktsind.
Und ein Befehlshaber tut schlecht darin, seinen Soldaten und Polizisten zu sagen,dassedlen undgutenMenschenzuzuhöreneinScheiternbedeutet,
DassdasBeendeneinesGemetzelseineNiederlageist,
DasseinenFehlerzukorrigierenbedeutet,sichzuergeben,
Dass nachzudenken und bessere Wege zu suchen, um der Mehrheit der Bevölkerung zu dienen bedeutet,einenKampfschändlichaufzugeben.
Mit Bescheidenheit und Aufmerksam dem zuzuhören, was die Menschen sagen, ist die TugendeinergutenRegierung.
Fähig zu sein, dem Ruf der Menschen zuzuhören und ihm nachzukommen, ist die Tugend vonweisenundehrlichenMenschen.
CompañerasundCompañeros:
BrüderundSchwestern:
Wir sind heute nicht hier, um von unseren eigenen Schmerzen, unseren Kämpfen, unseremBoden,unseremLebenundTodzureden.
Wir sind heute nicht hier, um Wege anzudeuten, oder um zu sagen was getan werdensoll, oderaufdieFragezuantworten,wasfolgenwird.
Wir sind heute hier, um Zehntausende zapatistische Indigenas zu repräsentieren, viel mehr als heute hier versammelt sind, um mit diesem würdigenSchweigemarschzusagen:
DassinihrerForderungnachGerechtigkeit...
DassinihremKampffürdasLeben...
DassinihrerSehnsuchtnachFrieden...
DassinihrerForderungnachFreiheit...
wir,dieZapatistenundZapatistinnen,sieverstehenundsieunterstützen.
Heute sind wir hier, um dem Aufruf jener zu antworten, die für das Leben kämpfen.
UnddenendieschlechteRegierungmitTodantwortet.
Denngenaudarumgehteshier,CompañerasundCompañeros.
UmeinenKampffürdasLebenundgegendenTod.
Es geht nicht darum wer zwischen Katholiken, Protestanten, Mormonen, PresbyterianeroderjederanderenReligionoderUngläubigengewinnt.
EsgehtnichtdarumwereinIndigenaistundwernicht.
EsgehtnichtdarumwerderReichsteoderderÄrmsteist.
Esgehtnichtdarumwerlinksist,oderin der Mitte,oderrechts.
Es geht nicht darum ob die PAN-istas, oder die PRI-istas oder die PRD-istas oderwie sie alle heißen,bessersind,oderobsieallegleichschlechtsind.
Esgehtnichtdarum,obmanZapatistaistodernicht.
Es geht nicht darum, das organisierte Verbrechen zu unterstützen, oder das desorganisierte Verbrechen,dassdieschlechteRegierungist.
Nein.
Das, worum es hier geht, ist, dass damit alle sein können, was sie sein wollen, um glauben oder nicht glauben zu können, um sich einen ideologischen, politischen oder religiösen Glauben aussuchen zu können, um diskutieren, zustimmen oder ablehnen zu können, Frieden, Freiheit, GerechtigkeitundLebennotwendigsind.
CompañerasundCompañeros:
BrüderundSchwestern:
Diese edelmütigen Personen rufen nicht dazu auf, uns einer Religion, einer Idee, einer politischen Überzeugung oder einer sozialen Position anzuschließen.
Sie rufen uns nicht dazu auf, eine Regierung zu stürzen um eine andere aufzustellen.
Siesagenunsnicht,dasswirfürdeneinenoderdenanderenStimmensollen.
DiesePersonenhabenunsaufgerufen,fürdasLebenzukämpfen.
Und Leben kann man nur haben, wenn es Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden gibt.
Deshalb ist dies ein Kampf zwischen jenen, die das Leben wollen, und jenen dieden Tod wollen.
Und wir, die Zapatisten und Zapatistinnen, wählen, für das Leben zu kämpfen, dasheißtfür Gerechtigkeit,FreiheitundFrieden.
Deshalb...
Sind wir heute hier, um diesen guten Personen mit Bescheidenheit zu sagen, dasssiebei ihremSchweigemarschnichtalleinesind.
Dass wir den Schmerz ihres Schweigens hören, so wie vorher die würdige Wut ihrerWorte.
Dasssieinihrem„StopptdenKrieg...“
Dasssieinihrem„KeinBlutmehr...“
Dasssieinihrem„Wirhabengenug...“
nichtalleinsind!
CompañerasundCompañeros:
BrüderundSchwestern:
EslebedasLeben,dieFreiheit,dieGerechtigkeitundderFrieden!
ToddemTod!
Fürallealles,fürunsnichts!
Demokratie!
Freiheit!
Gerechtigkeit!
AusdenBergendesmexikanischenSüdostens.
FürdasGeheimeRevolutionäreIndigeneKomitee-Generalkommandanturder
ZapatistischenArmeederNationalenBefreiung
SubcomandanteInsurgenteMarcos
Mexiko,7.Mai2011.
***
übs.vonDana
Quelle: http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2011/05/07/palabras-del-ezln-en-la-movilizacion-de-apoyo-a-la-marcha-nacional-por-la-paz/
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